Land Oberösterreich
Pilze sind wahre Kunstwerke
09. August 2025

Was sind Pilze?

Biologen teilen die Lebewesen gerne in Schubladen ein. Der Apfel zählt zu den Pflanzen, der Fischotter zu den Tieren. Und Pilze? Sie bilden ihr eigenes Reich, das neben den Pflanzen und Tieren die dritte große Gruppe an Lebewesen darstellt.

Pilze betreiben ohne Blattgrün keine Photosynthese, können ohne andere Lebewesen nicht überlegen und kommen immer gemeinsam mit Pflanzen vor. Dabei gibt es drei unterschiedliche Formen des Zusammenlebens:

  • In Symbiose: Hier profitieren sowohl Pilz als auch Pflanze. Bekannte Beispiele sind etwa das Eierschwammerl oder der Birkenpilz. Dieser umspinnt z.B. mit seinem Pilzgeflecht die Wurzeln der Birke, liefert Wasser und Nährstoffe und erhält im Gegenzug durch Photosynthese erzeugte Kohlenhydrate (Zucker).
  • Als Fäulnisbewohner: Dabei nutzen Pilze bereits abgestorbene Pflanzenteile wie Laub oder Holzstämme, wie beispielsweise die Speise-Morchel
  • Als Parasiten: Pilze wachsen auf lebenden Pflanzen und schaden diesen. Dazu zählt etwa der Hallimasch, ein gefürchteter Forstschädling. Der Pilz greift lebende Wurzeln an, dringt in den Stammfuß ein und verursacht Weißfäule, die zum Absterben führt.

Ein weiteres Merkmal für diese Gruppe ist die Tatsache, dass sich Pilze über Sporen fortpflanzen. Das sind mikroskopisch kleine Teilchen, die zumeist vom Wind vertragen werden und für die Verbreitung von Pilzen sorgt. Die Sporen werden in den Lamellen oder Röhren an der Pilzunterseite gebildet.

Dem oberirdischen Teil – dem typischen Schwammerl – steht das sogenannte Myzel im Boden oder im Holz gegenüber. Es ist das mitunter mehrere Quadratmeter große Geflecht aus Pilzfäden, aus dem sich immer wieder Fruchtkörper, also „Schwammerl“, bilden können.

Eine ganze Welt abseits von Eierschwammerl und Parasol
Eierschwammerl, Steinpilz und Parasol sind vielen bekannt und als Speisepilz beliebt. Weniger bekannt ist wohl, dass es in Österreich über 4.000 Arten an Großpilzen gibt – das sind jene, bei denen der Fruchtkörper mit bloßem Auge gut erkennbar ist. Fast ein Drittel dieser Arten steht auf der „roten Liste“ und gilt als gefährdet. Das liegt in erster Linie an den speziellen Lebensräumen, an die sie angepasst sind. Moore, besonders totholzreiche Wälder oder ungedüngte Wiesen sind mittlerweile selten gewordenen und damit auch die speziell angepassten Pflanzenarten und in weiterer Folge auch die Pilzarten. Wird ein Moor trockengelegt, eine Blumenwiese aufgedüngt und fünf Mal pro Jahr gemäht, so verschwinden mit den sogenannten Wirtspflanzen auch die dazugehörigen Pilze. Unsere beliebtesten Speisepilze wie Steinpilz, Eierschwammerl, Parasol und Maronen-Röhrling sind Gott sei Dank nicht gefährdet. Sie gehören zu den häufigsten Pilzarten Österreichs.

Sammeln mit Maß und Kenntnis
Nichtsdestotrotz ist beim Sammeln von Pilzen Zurückhaltung angesagt, um die Bestände zu schonen. Laut österreichischem Forstgesetzt liegt die Menge, die man sich pro Tag aneignen darf, bei maximal 2 Kilogramm. Wichtig ist auch, dass beim Sammeln das Myzel nicht beschädigt wird! Zurückhaltung ist nicht nur beim Sammeln, sondern auch beim Verzehr geboten! Pilze speichern Schwermetalle und radioaktive Stoffe, weshalb man sie als saisonale Besonderheit betrachten und auf übermäßigen Genuss verzichten sollte .

Noch wichtiger ist natürlich die Kenntnis der gesammelten Pilze. Führen Sie hier keine Experimente durch und essen Sie nur 100 % sicher erkannte Exemplare. Sammeln Sie nur gesunde, frische und vollständige Pilzkörper. Ein Korb ist das optimale Behältnis dafür. Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung rufen Sie sofort einen Arzt oder die Rettung. Die Vergiftungsinformationszentrale unter der Notrufnummer 01 406 43 43 ist rund um die Uhr erreichbar.

Die wichtige Rolle der Pilze
Pilze übernehmen eine sehr wichtige Rolle im Ökosystem. Indem sie totes organisches Material (also Blätter, Holzstücke, …) zersetzen, schließen sie den Kreislauf des Lebens. Sie machen altes Holz mürbe und weich und „zerlegen“ es sozusagen in seine Bestandteile. So entsteht ein fruchtbarer Waldboden mit ausreichend „Nahrung“ für die darauf wachsenden Pflanzen.

So unbeliebt pilzbefallenes, morsches Holz bei den Forstwirten ist, so wichtig ist diese sogenannten Zerfallsphase für den naturnahen Wald. Zumindest einzelne Bäume sollen alt werden dürfen. Sogenanntes Totholz im Wald ist Heimat einer vielfältigen Tier- und eben auch Pilzwelt. Übrigens ist auch im Garten immer irgendwo ein kleiner Platz für Holz, das hier vermodern darf. Neben der Blindschleiche, dem schillernden Bockkäfer, Asseln und Tausendfüßern ist dieses wertvolle Heimat und Nahrung für unsere faszinierenden Pilze.

(Originaltext und Fotos von Stefan Guttmann)

Was ist eigentlich ein Tintenfischpilz?

Der Tintenfischpilz (siehe Foto) ist ein merkwürdig aussehender Verwandter der Stinkmorchel. Seine Arme locken mit ihrem Geruch Fliegen und Käfer an. Er ist nicht giftig, aber wegen des unangenehmen Geschmacks wird er auch nicht als Speisepilz empfohlen.