Zugvögel – wer fliegt wohin und warum?
Wenn man sich mit der Natur beschäftigt, merkt man schnell: Was einfach aussieht, ist oft ziemlich kompliziert. Deshalb zuerst ein paar wichtige Grundlagen:
- Zugvögel sind Arten, die bei uns brüten und im Winter wegziehen.
- Jahresvögel bleiben das ganze Jahr über bei uns.
- Wintergäste kommen aus dem Norden oder Osten zu uns, um den Winter hier zu verbringen.
In diesem Artikel soll es um das faszinierende Phänomen des Vogelzuges gehen und deshalb werden wir einen näheren Blick auf heimische Zugvögel. Als erstes eine Unterscheidung in zwei Gruppen nach der Länge der Flugdauer:
- Kurzstreckenzieher fliegen nur relativ kurze Strecken. Sie bleiben meist in einer ähnlichen Klimazone wie ihr Brutgebiet. Für viele Vögel aus Österreich bedeutet das, dass sie im Winter in die Mittelmeerregion ziehen. Zu dieser Gruppe zählen beispielsweise Kiebitz, Rotkehlchen oder Teile der Stare.
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Langstreckenzieher legen dagegen sehr weite Strecken zurück. Sie fliegen oft tausende Kilometer bis in die Tropen oder in die Sahelzone südlich der Sahara. Weißstorch, Schwalben oder der Kuckuck begeben sich im Winter auf eine Fernreise.
Der Hauptgrund für die Reise ist die Nahrung. Viele Singvögel fressen Insekten, die es bei uns im Winter kaum gibt. In wärmeren Klimazonen mit milden Wintern ist das Futter auch in den kalten Monaten zwischen Oktober und Februar verfügbar.
Wie erforscht man Vogelzug?
Wie weiß man eigentlich, wohin die Vögel fliegen? Woher kennt man ihre Flugrouten oder kennt ihre Überwinterungsgebiete? Wie hat etwa die Graugans verraten, dass sie gerne ihren Winterurlaub in Portugal oder Tunesien verbringt?
- Beringung
Die wichtigste Methode ist die Beringung. Dabei bekommen die Vögel kleine Ringe mit einer Nummer ans Bein. Das ist wie ein unverwechselbarer Name und Vogelkundler auf der ganzen Welt erkennen so diesen einen Star oder die Rauchschwalbe. - Tracker
Bei größeren Vögeln werden seit einigen Jahren kleine Sender, überwiegend am Rücken, befestigt. Diese funktionieren wie GPS-Tracker und senden die aktuelle Position an ein Handy. So kann man ihre Zugrouten genau verfolgen und erhält faszinierende Einblicke in ihre Reisegewohnheiten.
Auf der Webseite www.life-eurokite.eu sind die Routen von Rotmilan, Seeadler und anderen gut zu sehen.
Beobachtungen in St. Georgen am Ybbsfelde – unsere Zugvögel im Blick
- Weißstorch
Zwischen Ende Februar und Ende März kehren die Störche zurück. Es ist beeindruckend, wie sie nach tausenden Kilometern genau ihren Horst finden. Sie orientieren sich am Sonnenstand, an Landschaftsmerkmalen wie Küsten oder Flusstälern und nachts sogar an den Sternen. Manche Forscher vermuten, dass auch das Erdmagnetfeld hilft. Unsere Störche gehören zu den sogenannten Ostziehern – sie fliegen über den Bosporus -die Meerenge zwischen Griechenland und der Türkei – nach Afrika. Als perfekte Thermiksegler nutzen sie warme Aufwinde, um lange Strecken von über 10.000 Kilometern zu schaffen. Die Jungen lernen die Route von den Eltern. Im letzten Jahr konnten unsere Störche vier Junge großziehen – ein gutes Zeichen. - Kiebitz
Sein Pfeifen und die waghalsigen Flüge über Felder sind ein sicheres Zeichen für den Frühling. So wie der Storch bewohnte der Kiebitz früher hauptsächlich große Feuchtwiesen, Überschwemmungsflächen und ausgedehnte Viehweiden. Heute hat er sich an die intensiv genutzte Landschaft angepasst und brütet zumeist auf Äckern. Kiebitze sind Kurzstreckenzieher und überwintern zwischen Spanien, Italien und dem Orient. - Rotkehlchen
Dieser kleine Insektenfresser ist einer der häufigsten Brutvögel in Österreich. Im Winter ziehen viele Rotkehlchen in den Mittelmeerraum. Manche bleiben aber auch hier in den wärmeren Regionen Österreichs oder wenn der Winter mild ist. Bei kaltem, schneereichem Wetter finden sie bei uns keine Nahrung. Wer ein Rotkehlchen im Garten beobachtet, kann kaum glauben, dass es bis zu 1.000 Kilometer weit fliegt. - Schwalben
„Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“ – dieses Sprichwort kennt fast jeder. Hier hat es der Vogelzug sogar in den täglichen Sprachgebrauch geschafft. Erst wenn mehrere Schwalben im Frühling bei uns auftauchen, ist es mit dem Winter wirklich vorbei. Schwalben sind Langstreckenzieher. Die Rauch- und Mehlschwalben fliegen bis in die Sahara oder sogar bis nach Südafrika. Sie sind also nicht nur schnell, sondern auch sehr ausdauernd. - Kuckuck
Selten zu sehen, aber sein Ruf im Apri, der vom Ende des Winters kündigt, ist unverkennbar. Der Kuckuck ist ein Langstreckenzieher, der im Herbst und Winter in Afrika südlich des Äquators lebt. Dieser taubengroße Vogel fliegt über 5.000 Kilometer weit! Nach der Brut ziehen die Jungkuckucke allein und ohne jegliche Hilfe in das Winterquartier – ein weiteres Beispiel für den unglaublichen Orientierungssinn der Vögel. - Star
Stare kommen oft in großen Gruppen und fallen durch ihr purpurfarbenes Gefieder auf. Sie sind hervorragende Sänger und können sogar andere Vogelstimmen oder Handy-Klingeltöne nachahmen. Mitteleuropäische Stare überwintern im Mittelmeerraum, in Nordafrika, Spanien und Portugal. Sie fliegen 1.000 bis 2.000 Kilometer.
Wie kann man Zugvögel schützen?
- Lebensräume schaffen
Ein naturnaher Garten mit wilden Ecken, heimischen Pflanzen und Hecken bietet Vögeln Verstecke, Nahrung und Nistplätze. - Vogelfütterung
Im Winter hilft Füttern den Vögeln. Im Frühling sollte die Fütterung langsam reduziert werden, damit die Vögel wieder selbst Nahrung finden. Jungvögel brauchen vor allem proteinreiches Insektenfutter. - Wasser anbieten
Vögel brauchen Wasser zum Trinken und Baden, besonders an heißen Tagen. - Katzenschutz
Futterstellen und Nistkästen sollten so angebracht sein, dass Katzen sie nicht erreichen. - Fensterschutz
Die einfachste und günstigste Schutzmaßnahme ist, Fenster nicht ständig blitzblank zu putzen. So können Vögel sie besser erkennen und fliegen seltener dagegen.