Lichtverschmutzung oder die "Helle Not"
Seit Jahrtausenden lebt der Mensch im Rhythmus von Tag und Nacht. Diese tägliche Abwechslung gibt unserem Körper eine klare Struktur. Sie steuert, wann wir wach und aktiv sind, wann wir uns müde fühlen und wann wir schlafen. Bestimmte Hormone, die für einen tiefen und erholsamen Schlaf sorgen, werden nur in der Dunkelheit gebildet. Ein wirklich tiefer, erholsamer Schlaf ist deshalb nur in der dunklen Tageshälfte möglich. Früher halfen Sterne bei der Orientierung, besonders auf hoher See. Heute übernehmen die Aufgabe elektronische Helfer, dennoch fasziniert uns ein klarer Nachthimmel mit gut sichtbaren Sternenbildern noch immer.
Auch Tiere sind auf den Wechsel von hell und dunkel angewiesen. Ihre Aktivitätszeiten richten sich danach, wann es Tag oder Nacht ist. Die Länge des Tages ist zum Beispiel für Fische ein wichtiges Signal, um ihre Laichzeit zu bestimmen. Andere Umweltfaktoren wie die Wassertemperatur, das Frühjahrshochwasser oder die Wassertrübe sind viel zu unsicher, um die wichtigste Phase im Lebenszyklus einzuleuten. Die Tageslichtlänge ist immer gleich und gibt so einen verlässlichen Impuls.
Die helle Not – wer leidet darunter?
Das Phänomen der Lichtverschmutzung wird auch „helle Not“ genannt, weil viele Tierarten darunter leiden. Zugvögel verlieren oft ihre Orientierung durch große, helle Lichtquellen. Sie fliegen gegen Fenster oder Gebäude, was für sie oft tödlich ist. Studien zeigen, dass tausende Vögel an stark beleuchteten Hochhäusern sterben. Besonders betroffen sind nachtaktive Tiere. Zum Beispiel Nachtfalter, von denen in Österreich über 80 % nachtaktiv sind. Der größte Schmetterling Europas, das Wiener Nachtpfauenauge, gehört beispielsweise dazu. Viele Insekten werden von Straßenlaternen magisch angezogen, oft aus Entfernungen bis zu 700 Metern. Dort sterben sie vor Erschöpfung oder verbrennen.
Auch Fledermäuse haben Probleme mit künstlichem Licht. Sie sind perfekt an das Leben in der Dunkelheit angepasst und jagen dort ihre Beute, wie Käfer am Waldboden. Künstliches Licht stört ihren Lebensrhythmus und verkürzt ihre aktive Zeit für die Nahrungsaufnahme. Manche Fledermausgruppen verlassen sogar ihre Quartiere, wenn dort Beleuchtung installiert wird.
Da in der Natur alles miteinander verbunden ist, führt das Insektensterben auch zum Rückgang von Tieren, die sich von Insekten ernähren. Pflanzen, Pilze, Tiere und Menschen sind wie in einem Netz voneinander abhängig. Deshalb ist es wichtig, die „helle Not“ zu verringern.
Lichtverschmutzung – ein Problem auch außerhalb der Großstädte
Lichtverschmutzung gibt es nicht nur in großen Städten oder Einkaufszentren. Ein Blick vom Hochkogel aufs Ybbsfeld zeigt, dass auch kleinere Gemeinden betroffen sind. Natürlich ist es wichtig, Wege, Plätze und Straßen so zu beleuchten, dass Menschen sich sicher fühlen. Zum Beispiel möchte niemand auf eisigen Gehwegen im Dunkeln ausrutschen. Doch gerade bei Straßenbeleuchtung gibt es heute viele Möglichkeiten, Streulicht und Blendung zu vermeiden. Viele Gemeinden sind hier schon auf einem guten Weg. So lassen sich Energie sparen und die Umwelt schützen. Mit Leitfäden, Best Practice Beispielen und Fördertipps unterstützt das Umweltressort des Landes OÖ Gemeinden auf ihrem Weg zu einer zukunftsfähigen Außenbeleuchtung.
Wo gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten?
Potenzial für weniger Lichtverschmutzung gibt es bei der Beleuchtung von Kirchtürmen, Sportstätten, Betriebsstätten, Reklametafeln und Weihnachtsbeleuchtung. Oft ist es nicht nötig, dass diese Beleuchtung die ganze Nacht brennt. Zum Beispiel kann die Beleuchtung von Werbetafeln in verkehrsarmen Nachtstunden ausgeschaltet werden, ohne dass die Werbewirkung stark leidet. Auch die Höhe der Lichtquellen beeinflusst, wie weit das Licht sichtbar ist. Bewegungsmelder an Gehwegen und Häusern helfen, Licht nur bei Bedarf einzuschalten. Das spart Strom und schützt die nachtaktive Tierwelt. Bei der Weihnachtsbeleuchtung gibt es viele verschiedene Geschmäcker. Manche mögen eine Kerze neben der Krippe, andere bevorzugen blinkende Lichterketten oder grelle Schneemänner. Auch hier kann man mit weniger grellem Licht und kürzerer Leuchtdauer viel bewirken.
Mehr erfahren und mitmachen
Wer mehr über Lichtverschmutzung wissen möchte, findet viele interessante Informationen und Angebote:
- hellenot.org: Das Tiroler Kompetenzzentrum für Lichtverschmutzung und Nachthimmel stellt umfangreiche Informationen und Maßnahmenvorschläge zur Verfügung.
- swild.ch: SWILD ist eine unabhängige Forschungs- und Beratungsgemeinschaft. Der Verein informiert auf ihrer Homepage auch über das Thema Lichtverschmutzung.
- wildnisgebiet.at: Im Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal werden spannende Führungen zum Thema angeboten.
- In Amstetten gibt es einen Astronomischen Arbeitkreis. Dieser betreibt eine eigene Facebook-Seite.
- https://astrostation.at: Diese nahe gelegene Sternwarte am Hochbärneck vermittelt faszinierende Einblicke in die Sternenwelt.
- https://sternenpark.at/: Der 1. Sternenpark Österreichs gibt interessante Einblicke in den prächtigen Nachthimmel zwischen Traun- und Attersee.