Land Oberösterreich
08. August 2024

Die Wasseradern in St. Georgen am Ybbsfelde

Die Gemeinde liegt im westlichen Mostvierte im Ybbsfeld. Eine Ebene, die unmittelbar an die hügelige Neustadtler Platte – auch Neustadtler Hochfläche – angrenzt. Im Gemeindegebiet fließt die Ybbs als großer Alpenfluss mit weißen Kieseln und Schotterbänken im Süden. Im Norden plätschert das reine Fließwasser kleinerer Bäche über Granitfelsen. Daraus ergeben sich unterschiedliche Charakteristika der Gewässer, die eines gemeinsam haben: Ihre Reinheit.

Ohne wirklich Beachtung zu finden, fließt bei uns ganz selbstverständlich bestes Trinkwasser aus dem Wasserhahn. Auch die überwältigende Mehrheit der Flüsse und Seen in Oberösterreich weisen eine hervorragende Wasserqualität auf. Erst, wenn man im Sommer Zeit im wasserärmeren Gebieten verbracht hat, bekommt einen anderen Blick auf den Wasserreichtum in Österreich. Im diesem Blog-Beitrag richten wir das Scheinwerferlicht auf den unschätzbaren Reichtum an reinen Fließgewässern in Sankt Georgen am Ybbsfelde.

An der Grenze zwischen Kalk und Granit
Das Gemeindegebiet von St. Georgen hat Anteil an zwei geologischen Großeinheiten. Während die Südhälfte im Ybbsfeld von kalkigem Ybbsschotter geprägt ist, ist im Norden der Granit als Grundgestein vorherrschend, da hier die Neustadtler Platte über die Donau nach Süden ins Gemeindegebiet reicht. So unterschiedlich hier das Gestein ist, so unterschiedlich sind auch die Gewässer, die durch die Ebene fließen. Auf der einen Seite die Ybbs mit weißen, abgerundeten Kieseln und ausgedehnten Schotterplätzen. Im Gegensatz dazu die kleineren Bäche in Krahof mit ihrem dunklen Grund. Besonders im Blindbach, auf dem Weg zur Öhlsitzmühle, sieht man die Herkunft aus dem Waldviertel. Sein Wasser fließt über typische Granitfelsen, ähnlich wie in der Ysper- oder Stillensteinklamm. Auch die anderen Bäche im Norden – Seisenegger Bach, Triesenegger Bach und Krahofer Graben – unterscheiden sich geologisch deutlich von der Ybbs, dem großen Hauptfluss im Mostviertel.

Die Ybbs – Lebensader und Schatz unserer Heimat
Die Ybbs ist eine wichtige Lebensader und versorgt hier alle mit sauberem Trinkwasser. Der größte Alpenfluss Niederösterreichs – neben der Donau – prägt die Tallandschaft des Mostviertels seit Jahrtausenden. Weiße abgerundet Kieseln und breite Schotterbänke prägen das Landschaftsbild. Vor 10.000 Jahren transportierte, nach dem Abschmelzen der großen Alpengletscher, eine kaum vorstellbare Menge an Wasser den Kalkschotter ins Ybbsfeld. Dieser riesige Schotterkörper ist unser heutiges Glück: Das Ybbstal ist ein bedeutender Grundwasserkörper in Niederösterreich. Das zwischen den Grobschottern „gespeicherte“ Grundwasser versorgt einen Großteil der Ybbsfeldgemeinden mit hervorragendem Wasser. Diese Vorkommen in den sogenannten Talfüllungen stehen im Austausch mit ihren Hauptgewässern. Die Kehrseite der Medaille: Jeder Hochwassergeplagte kennt die Situation, wenn hohe Wasserstände in der Ybbs auch zu hohen Grundwasserständen – und diese mitunter zu überfluteten Kellern – führen.

Was unsere Flüsse alles leisten
Diese Wechselwirkung zwischen Fluss- und Grundwasser ist ein wichtiges Merkmal funktionierender Aulandschaften. Nur wenn dieses Pulsieren des Flusses auch mit einem An- und Abstieg des begleitenden Grundwasserstromes einhergeht, ist das Ybbs-Au-System intakt.

Wenn die Ybbs kanalisiert oder ihre Ufer verbaut werden, gräbt sich der Fluss immer tiefer in den Boden. Die Flusssohle sinkt tiefer in das Schotterbett und der Austausch mit dem umliegenden Grundwasser wird schlechter. Waldbesitzer der umliegenden Augrundstücke werden diese Entwicklung in den letzten Jahrzehnten beobachtet haben – die Au wird immer trockener. Eine gute vernetzte Ybbs mit Nebenarmen, ungestaut, ohne harte Ufersicherung und frei fließend ist nicht nur ein Ort der Artenvielfalt, sondern letztlich auch für die Qualität unseres Trinkwasser wichtig.

In den heißen Sommermonaten laden die Schotterbänke der Ybbs auch zum Baden ein. Was zeigt: Naturnahe Flüsse mit Schotter- und Sandstränden bieten gratis Plätze zum Entspannen, Abkühlen und Natur erleben. Glasklares Wasser – direkt vor unserer Haustüre – zum Nulltarif. Wir sollten uns glücklich schätzen, solche Lebensadern im Gemeindegebiet zu haben.

Klein aber fein
Auch unsere kleinen Gewässer – die Bäche aus dem „Krahofer Norden“ – haben einiges zu bieten. Wie kleine grüne Bahnen durchziehen sie die Landschaft und stellen gerade für die Tierwelt wichtige Lebensräume und Vernetzungsachsen zwischen Ybbs und dem Hügelland im Norden dar. Wer einmal im Hochsommer vom trockenen Feldweg in den grünen Tunnel des Seisenegger Baches „abgestiegen“ ist, wird verblüfft sein: schattig, um einige Grade kühler und abschnittsweise ganz schön wild. Der Bach und begleitenden Sträucher dienen als Korridor für das Wild, der steile Uferanbruch als Niststätte für den Eisvogel, nur die Fische und Muscheln bleiben meisten verborgen.

Damit es so bleibt
Den Zustand unserer Bäche und Flüssen können wir alle beeinflussen – schon mit ganz einfachen Maßnahmen:

  • Landwirte:
    Lassen Sie an den Ufern kleine Streifen stehen, die nicht gedüngt und nur zweimal im Jahr gemäht werden. Das hilft der Natur und dem Wasser.

  • Anrainer an den Ufern:
    Schneiden Sie die Pflanzen am Ufer nur vorsichtig zurück, nicht zu radikal und nicht auf großer Länge. Wo noch keine Sträucher wachsen, können Sie neue pflanzen. Diese werden bald von Wildtieren dankbar angenommen. Auch die Bachbewohner freuen sich, da sie schattige und damit gekühlte Bereiche schätzen.

  • Spaziergänger und alle anderen:
    Werfen Sie keinen Müll an die Ufer. Sammeln Sie Abfälle, die Sie sehen, selbst auf oder machen Sie bei Müllsammelaktionen mit. So tragen wir alle dazu bei, unsere Gewässer sauber und gesund zu halten.

Beim nächsten Spaziergang lohnt es sich, mit offenen Augen auf die Ybbs und ihre Umgebung zu achten – und die Schönheit und Bedeutung dieses Naturwunders zu genießen!

 

(Originaltext und Bildmaterial von Stefan Guttmann)